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Tattooerstellung

12. Zivilsenat Oberlandesgericht Hamm

Aktenzeichen: 12 U 151/13

Beschluss vom 05. März 2014

Das Stechen eines Tatoos stellt tatbestandlich eine Körperverletzung dar! Die rechtfertigende Einwilligung eines Auftraggebers bezieht sich auf eine technisch und gestalterisch mangelfreie Herstellung.

Da es um Arbeiten geht, deren Duldung für den Auftraggeber mit körperlichen Schmerzen verbunden ist und deren Schlechterfüllung gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann, kommt dem Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Auftragnehmers eine besondere Bedeutung zu.

Verständliche Bedenken gegen die Leistungsfähigkeit des Auftragnehmers sind deshalb eher als bei anderen Werken geeignet, eine Nachbesserungsverweigerung des Auftraggebers zu rechtfertigen.

Wie vom LG Bochum am 14.10.2013 entschieden, ist der Auftragnehmer somit verpflichtet neben einem Schmerzensgeld, dem Auftraggeber sämtliche materiellen und immateriellen Schäden aus der Tattooerstellung und deren Beseitigung durch unter anderem einen gütegeschalteten Rubinlaser zu zahlen, soweit die Ansprüche nicht Dritte übergehen.

⇒ Mangelbehaftetes Tattoo = Schmerzensgeld + Folgekosten

Ausgangspunkt

Die Klägerin beauftragte den Beklagten mit der Erstellung eines Tattoos auf ihrem rechten Schulterblatt. Es sollte eine Blüte nebst Ranken farbig tätowiert werden. Der Beklagte fertigte einen Entwurf. Nach diesem führte er das Tattoo aus und gab er der Klägerin eine Pflegeanleitung mit.

Die Beklagte pflegte das Tattoo gemäß der Anleitung unter Mithilfe eines Zeugen.

Nach rund zwei Monaten stellte sich die Klägerin wieder beim Beklagten vor. Sie bemängelte die ungleichmäßige Dicke der Linien, das Verlaufen von Farbe, zu tief ausgeführte Einstiche wie auch eine künstlerisch fehlerhafte Darstellung der Blüten. Eine vom Beklagten angebotene Nachbesserung lehnte sie ab, da es ihrer Ansicht nach zur Gestaltung eines akzeptablen Tattoos eine ärztliche Behandlung mit einem Laser erforderlich ist.

Diesem widersprach der Beklagte. Er vertrat die Ansicht, dass mögliche Verläufe der Farbe auf eine mangelhafte Pflege der Tätowierung nach dem Stechen zurückzuführen seien und man ihm Gelegenheit zur Nachbesserung einräumen müsse.

Gründe

Der ausgeurteilte Schmerzensgeldanspruch ergibt sich aus § 253 Abs. 2 BGB. Das Stechen einer Tätowierung stellt tatbestandlich eine Körperverletzung dar. Die Einwilligung der Klägerin erstreckte sich lediglich auf die technisch und gestalterisch mangelfreie Herstellung eines der zuvor gebilligten Skizze entsprechenden Tattoos. Sie hat hier keine rechtfertigende Wirkung, weil die Farbe in zu tiefe Hautschichten eingebracht wurde mit der Folge, dass es im Umfeld der Tätowierungslinien zu deutlichen Farbverläufen kam. Zudem belegen Fotos des Tattoos Mängel der gestalterischen Umsetzung des ausgewählten Motivs.

Das vom Landgericht festgesetzte Schmerzensgeld ist frei von Rechtsfehlern.

Weitere Nachbesserungsbemühungen des Beklagten muss die Klägerin jedenfalls deshalb nicht dulden, weil sie ihr nicht zuzumuten sind, § 636 BGB.

Denn unzumutbar ist eine Nacherfüllung dann, wenn aus der maßgeblichen objektiven Sicht des Auftraggebers das Vertrauen in die ordnungsgemäße Durchführung der Mängelbeseitigung nachhaltig erschüttert ist.

Dies ist hier angesichts des Gewichts der festgestellten Mängel gegeben. Es ist einsichtig und nachvollziehbar, dass die Klägerin aufgrund der unter fachlichen Gesichtspunkten verfehlten Arbeitsweise mit einem Stechen in zu tiefe Hautschichten sowie aufgrund der gestalterischen Defizite das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Beklagten verloren hat. Da es um Arbeiten geht, deren Duldung mit körperlichen Schmerzen verbunden ist und deren Schlechterfüllung gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann, kommt dem Vertrauen stungsfähigkeit des Auftragnehmers hier eine besondere Bedeutung zu. Die Folgen eines misslungenen Nachbesserungsversuches, die bei anderen Werken in der Regel überschaubar sind, können hier gravierend sein. Verständliche Bedenken gegen die Leistungsfähigkeit des Auftragnehmers sind daher bei Arbeiten an Tattoos eher als bei anderen Werken geeignet, die Nachbesserungsverweigerung zu rechtfertigen.

07.2014

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